Sommer in der TCM: Erfrischen, ohne die eigene Mitte auszukühlen

Der Sommer ist die Zeit des größten Yang. Die Tage sind lang, das Leben findet stärker im Freien statt, wir sind aktiver und nehmen mehr Wärme von außen auf. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird diese Jahreszeit dem Element Feuer und dem Funktionskreis Herz zugeordnet.

Sommerliche Wärme kann wohltuend sein und die Lebensenergie in Bewegung bringen. Wird die Hitze jedoch sehr stark oder hält sie über längere Zeit an, kann sie den Organismus auch belasten. Viele Menschen reagieren dann mit Erschöpfung, innerer Unruhe, schlechtem Schlaf, Kopfschmerzen, starkem Schwitzen oder einem unangenehmen Hitzegefühl.

Die Kunst besteht darin, den Körper zu erfrischen, ohne ihn dabei zu stark abzukühlen.

Warum eiskalte Getränke nicht immer guttun

Bei hohen Temperaturen erscheint es zunächst naheliegend, möglichst kalte Getränke zu trinken oder häufig Eis und gekühlte Speisen zu essen. Die unmittelbare Erfrischung hält jedoch meist nur kurz an.

Aus Sicht der TCM muss der Körper sehr Kaltes zunächst erwärmen, bevor er es gut verarbeiten kann. Diese Aufgabe übernimmt vor allem die sogenannte Mitte mit dem Funktionskreis Milz. Gemeint ist damit nicht allein das anatomische Organ, sondern die Fähigkeit des Körpers, Nahrung aufzunehmen, umzuwandeln und daraus Qi und Blut zu bilden.

Wird die Mitte regelmäßig mit sehr kalten Speisen und Getränken belastet, kann ihre Funktion geschwächt werden. Mögliche Anzeichen sind:

  • Müdigkeit oder Schwere nach dem Essen
  • Völlegefühl und Blähungen
  • weicher Stuhl oder Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • allgemeine Kraftlosigkeit
  • ein Gefühl, trotz ausreichender Ernährung nicht richtig versorgt zu sein

Das bedeutet nicht, dass im Sommer grundsätzlich auf Eis oder ein kühles Getränk verzichtet werden muss. Entscheidend sind die Menge, die Häufigkeit und die persönliche Konstitution.

Kühlend ist nicht dasselbe wie eiskalt

In der chinesischen Ernährungslehre beschreibt die thermische Wirkung eines Lebensmittels, wie es sich im Körper auswirkt. Ein Lebensmittel kann kühlend wirken, obwohl es nicht direkt aus dem Kühlschrank kommt.

Im Sommer eignen sich beispielsweise:

  • Gurken
  • Zucchini
  • Tomaten
  • Blattsalate
  • Wassermelone
  • Erdbeeren
  • Birnen
  • Mungbohnen
  • Minze

Diese Lebensmittel können helfen, sommerliche Hitze auszugleichen. Häufig sind sie besser verträglich, wenn sie nicht eiskalt gegessen werden. Gemüse kann kurz gedünstet, Obst rechtzeitig aus dem Kühlschrank genommen und Wasser bei Raumtemperatur oder lauwarm getrunken werden.

Auch leichte Suppen, gedünstetes Gemüse, Reis oder Hirse sind im Sommer eine gute Grundlage. Sie belasten die Verdauung wenig und unterstützen gleichzeitig die Mitte.

Bei Hitze zählt auch die eigene Konstitution

Nicht jeder Mensch benötigt im Sommer die gleiche Art von Abkühlung. Wer schnell überhitzt, stark schwitzt, ein gerötetes Gesicht hat, unter Unruhe leidet oder nachts wegen der Wärme schlecht schläft, verträgt kühlende Lebensmittel meist besser.

Menschen, die auch im Sommer häufig frieren, kalte Hände und Füße haben, schnell erschöpft sind oder zu weichem Stuhl neigen, sollten mit stark kühlenden Lebensmitteln vorsichtiger sein. Große Mengen Rohkost, sehr kalte Getränke oder täglich Eis können bei ihnen die Verdauung zusätzlich schwächen.

Die Ernährung sollte deshalb nicht allein nach der Außentemperatur ausgewählt werden. Ebenso wichtig ist die Frage: Wie reagiert mein eigener Körper darauf?

Wenn die Hitze den Geist unruhig macht

Der Funktionskreis Herz beherbergt nach chinesischer Vorstellung den Shen, also unseren Geist und unsere seelische Präsenz. Starke Hitze kann den Shen unruhig werden lassen.

Das kann sich unter anderem zeigen durch:

  • Nervosität und innere Getriebenheit
  • Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
  • Herzklopfen
  • Konzentrationsprobleme
  • Gereiztheit
  • Kopfschmerzen

Neben einer angepassten Ernährung helfen regelmäßige Pausen, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit körperlicher Belastung. An sehr heißen Tagen sollte Sport möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden.

Auch ausreichend Flüssigkeit ist wichtig. Statt große Mengen auf einmal zu trinken, ist es häufig angenehmer, über den Tag verteilt immer wieder kleinere Mengen zu sich zu nehmen.

Zwei Akupressurpunkte für mehr Ruhe

Bei leichter innerer Unruhe können Akupressurpunkte unterstützend eingesetzt werden.

Yintang

Yintang liegt zwischen den Augenbrauen. Der Punkt kann mit einer Fingerkuppe sanft gedrückt oder in kleinen Kreisen massiert werden. Viele Menschen empfinden dies als beruhigend und entspannend.

Perikard 6 – Neiguan

Neiguan befindet sich an der Innenseite des Unterarms, ungefähr drei Fingerbreit oberhalb der Handgelenksfalte, zwischen zwei gut tastbaren Sehnen. Eine sanfte Massage kann bei innerer Anspannung, Unruhe und einem unangenehmen Gefühl im Brustbereich wohltuend sein.

Die Punkte können jeweils ein bis zwei Minuten ruhig massiert werden. Der Druck sollte deutlich spürbar, aber nicht schmerzhaft sein.

Meine Empfehlung für heiße Sommertage

Im Sommer müssen wir unseren Körper weder stark erhitzen noch konsequent herunterkühlen. Sinnvoller ist ein Mittelweg:

Trinken Sie ausreichend, bevorzugen Sie leichte und überwiegend frisch zubereitete Mahlzeiten und nutzen Sie die kühlende Wirkung sommerlicher Lebensmittel gezielt. Sehr Kaltes darf gelegentlich dazugehören, sollte aber nicht zur dauerhaften Grundlage der Ernährung werden.

Achten Sie dabei auf Ihre persönliche Reaktion. Bekommen Ihnen Rohkost und kalte Getränke gut oder fühlen Sie sich danach müde, aufgebläht und ausgekühlt? Ihr Körper gibt meist recht deutliche Hinweise darauf, was er gerade benötigt.

So lässt sich der Sommer genießen, ohne die eigene Mitte zu überfordern – mit ausreichend Erfrischung, aber auch mit der Wärme, die der Körper für eine stabile Verdauung und gute Energie weiterhin braucht.